ORGANISATIONALE RESILIENZ

 

Was bedeutet Resilienz im Unternehmen?

Resilienz im Unternehmen bezieht sich auf zwei Faktoren. Erstens auf resiliente Strukturen, die besonders flexibel und effektiv auf Veränderung reagieren können. Und zweitens auf einen resilienten zwischenmenschlichen Umgang. Das gilt für die Führungsebene, wie für Teams und einzelne Mitarbeitende.

Resilienz ist dabei eine Fähigkeit, die von jedem beteiligten getragen und gestärkt wird. So kann das Unternehmen einen flexiblen Umgang mit Stress in Veränderungs-Prozessen und gesunde und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pflegen.

Definition

„Organisationale Resilienz ist die Fähigkeit einer Organisation, etwas abzufedern und sich in einer verändernden Umgebung anzupassen, um so ihre Ziele zu erreichen, zu überleben und zu gedeihen. Resilientere Organisationen können Risiken und Chancen – aufgrund von plötzlichen oder allmählichen Veränderungen im internen und externen Kontext – antizipieren und darauf reagieren.“ (ISO-Norm 22316:2017, Übersetzung Jutta Heller)

Diese Definition für Organisationale Resilienz stammt aus der Norm 22316 zu Organisationaler Resilienz der Internationalen Organisation für Standardisierung (ISO). Ein ExpertInnengremium hat auf der Basis von Forschungen und Praxisfällen konkrete Empfehlungen erarbeitet, um organisationale Resilienz zu fördern. In neun zentralen Handlungsfeldern können Organisationen ansetzen, um ihre Resilienz zu steigern.

Organisationale Resilienz fördern mit 9 Schlüsseln

Kein Unternehmen kann Krisen vermeiden. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen für zukünftige Krisen gut gewappnet sind, denn Unternehmenskrisen können in der heutigen VUKA-Welt leicht existenzbedrohend sein. Unternehmen müssen in der Lage sein, Gefährdungspotentiale früh zu erkennen und auch schwache Signale zu bemerken, um so früh wie möglich gegenzusteuern. Gerade im Krisenfall brauchen sie dann etablierte Strukturen um flexibel und eigenverantwortlich auf veränderte Bedingungen reagieren zu können. Wenn Unternehmen Krisen mit Organisationaler Resilienz begegnen, bietet sich darüberhinaus die Chance sich neu auszurichten.

Für die Entwicklung organisationaler Resilienz können Organisationen an den folgenden neun Stellschlüsseln ansetzen:

  • Geteilte Vision und klares Ziel

  • Umfeld verstehen und beeinflussen

  • Effektive und ermutigende Führung

  • Resilienzfördernde Kultur

  • Information und Wissen teilen

  • Verfügbarkeit von Ressourcen

  • Koordinierte Unternehmensbereiche

  • Kontinuierliche Verbesserung fördern

  • Veränderung antizipieren und managen

Durch Maßnahmen auf der Mikro-, Meso- oder Makroebene der Organisation in jedem dieser Handlungsfelder ergibt sich eine Vielzahl von Ansatzmöglichkeiten, um die Organisation beim Navigieren zwischen Flexibilität und Sicherheit zu unterstützen.

Teile der organisationalen Resilienz

Wie sieht also die organisationale Resilienz aus? Die International Organisation for Standardization hat zur organisationalen Resilienz eine Norm veröffentlicht. Dadurch wird Unternehmen eine klare Linie für die eigene Resilienz gegeben. Die folgenden Punkte erläutern die in der ISO Norm aufgeführten Teile der organisationalen Resilienz.

 
Geteilte Vision und Klarheit über den Unternehmenszweck

Gemeinsame Ziele sind eine starke Kraft, die das Unternehmen zusammenhält. Ziel der organisationalen Resilienz ist daher die Klarheit und Übereinstimmung auf allen Ebenen über die Werte, die Vision und den Zweck des Unternehmens.

Das bedeutet auch die Reflexion und Anpassung der gemeinsamen Vision bei internen oder externen Veränderungen. Im Resilienz Training wird hierfür eine klare Kommunikation und ein starkes gemeinsames Denken gefördert.

Kontexte verstehen und beeinflussen

Um mehr Flexibilität ins Unternehmen zu bringen, ist es nicht nur wichtig die internen und externen Kontexte zu verstehen, sondern auch sie zu beeinflussen. Dazu ist eine Pflege von Beziehungen zu der Außenwelt und Kooperation mit Unternehmen gleicher Gesinnung vorteilhaft. So werden strategische Entscheidungen erleichtert und Verbesserungen gefördert.

Effektive und unterstützende Führung

Eine resiliente Organisation pflegt eine Führungskultur, die auch andere ermutigt bestimmte Sektionen zu leiten. Zudem werden hier Unsicherheit und Scheitern akzeptiert und damit das Lernen unterstützt.
Durch die Verteilung verschiedener Führungsaufgaben werden verschiedene Fähigkeiten und Wissensbestände mit in die Organisationsstruktur eingebunden. Das ermöglicht organisationale Ziele resilient und vielseitig zu erreichen. Hierfür braucht es eine hohe Akzeptanz und Vertrauen aller Beteiligten.

Festhalten von Werten, Zielen und einer positiven Einstellung

Um die Resilienz im Unternehmen zu stärken braucht es einheitliche Strukturen und Zusammenhalt. Dafür sollten die Werte, Verhaltensweisen und Ziele klar und für jeden deutlich sein. Dazu kommt eine positive Haltung der Mitarbeitenden und Führungskräfte.

Es geht darum, eine Resilienz fördernde Unternehmenskultur zu etablieren. Diese soll von jedem individuell gestützt und fortgetragen werden. Die Organisation erkennt dadurch Veränderungen, die sich auf die organisationale Resilienz auswirken, schneller.

Teilen von Informationen und Wissen

Der Austausch von Wissen erfolgt auf Augenhöhe und ohne Hintergedanken.

In einer resilienten Organisation wird Wissen und Information für jeden Zugänglich gemacht. Das Lernen aus Erfahrungen und auch von anderen wird wertgeschätzt und unterstützt. So kann die Organisation sich gemeinsam entfalten und weiterentwickeln.

Zudem bedeutet geteiltes Wissen eine bessere Entscheidungsfindung in Teams. Wenn die Organisation Informationen und Wissen teilt, dient es dazu die wichtigen Werte und Ziele des Unternehmens auch besser zu verstehen und gemeinsam zu verfolgen.

 
Verfügbarkeit von Ressourcen

Ressourcen sind ein Grundbaustein der Resilienz. Daher ist es sinnvoll, dass die Organisation sich Ressourcen schafft, die verwundbare Stellen im Unternehmen abdeckt und damit in Zeiten von Veränderung Stabilität schafft.

Das können qualifizierte Mitarbeitende sein, sowie Informationen oder Technologien. Dazu gehört auch, die vorhandenen Ressourcen stetig zu überprüfen und auf die organisationale Resilienz abzustimmen.

 
Entwicklung und Koordination der Managementbereiche

Um organisationale Resilienz im Unternehmen herzustellen, ist die Aufteilung und Zusammenarbeit einzelner Managementbereiche günstig. Das hat gleich mehrere Vorteile. Die Abteilungen können zum einen individuell wie kollektiv die Werte und Ziele des Unternehmens vorantreiben. Das bedeutet auch die Resilienz einzeln in dem Bereich und auch zusammen mit anderen Bereichen zu stärken.

Zum anderen bedeutet die Aufteilung mehr Flexibilität in der Unternehmensstruktur, um Veränderungen schnell zu bemerken und angemessen zu reagieren. Und last but not least stärkt diese Vorgehensweise Kommunikation und Kooperation innerhalb des Betriebs, was einen kohärenten Ansatz darstellt.

 
Förderung von kontinuierlicher Verbesserung

Die Resilienz der Organisation wird dadurch gestärkt, dass Verbesserungen stetig evaluiert und unterstützt werden. Das bedeutet aus Erfahrungen zu lernen und Chancen zu nutzen. Diese Einstellung zur Verbesserung sollte in jedem Beteiligten verankert sein.

Um das zu erreichen, sind zwei Dinge wichtig. Erstens hilft das Etablieren von Mechanismen zur ständigen Evaluation und Überprüfung des eigenen Standpunktes auf dem Markt. Zweitens sollte sichergestellt werden, dass diese Mechanismen sich an Veränderungen mit Einfluss auf die Resilienz angleichen können.

 
Fähigkeit, Veränderungen vorwegzunehmen und zu managen

Flexibilität für das Unternehmen bedeutet, Veränderungen schon frühzeitig zu erkennen, sie zu planen und zu managen. Veränderungen bringen Unsicherheiten, Neuheiten und auch manchmal Chaos mit sich. Um dem vorzubeugen, empfiehlt sich eine resiliente Voraussicht und strukturiertes Denken. Dazu gehört es, sich auf Veränderungen vorzubereiten und wenn nötig diese auch zu beeinflussen.

 
Organisationale Resilienz: Zwischen Sicherheit und Flexibilität

Hintergrund für das Konzept der Organisationalen Resilienz sind Forschungen einerseits zum Lieferketten-Management und andererseits aus dem Bereich der Hochzuverlässigkeits-Organisationen (HROs) wie Kernkraftwerke, Feuerwehren, Notfallambulanzen in Kliniken. Sowohl Sicherheit und Flexibilität als auch Antizipation und Anpassung sind hier die zentralen Aspekte, um kritische Situationen zu meistern. Organisationen brauchen eine hohe Flexibilität, um auf Belastungen und Störungen schnell und richtig reagieren zu können. Andererseits müssen die Sicherheitssysteme des Unternehmens stark genug sein, um unvorhergesehenen Störungen standzuhalten.

Führungskräfte sind gefordert

Führungskräfte sind heute mehr denn je gefragt, auf nahezu alle Fragen und Unregelmäßigkeiten sofort eine passende Antwort in Form entsprechender Maßnahmen parat zu haben. Sie kommen so zunehmend in die Rolle eines/einer BegleiterIn, ModeratorIn und PersonalentwicklerIn – mit einer Haltung der Bescheidenheit im Hinblick auf tatsächliche Einflussmöglichkeiten.

Im Umgang miteinander brauchen wir Begegnungen auf Augenhöhe. Dass dies gelingt, ist nicht selbstverständlich. Es geht um vertrauensvolle Begegnungen auf Erwachsenenebene – ohne unterschwellige Botschaften, sondern mit der positiven Vorannahme, dass sich jede und jeder eigenverantwortlich einbringen und engagieren will.

Inmitten von Schwierigkeiten liegen günstige Gelegenheiten
 Albert Einstein

© 2020 by Resilienz Zentrum Schweiz 

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